Viele Pferdehalter decken ihre Tiere gut gemeint ein, ohne je nachgemessen zu haben, was unter der Decke tatsächlich passiert. Das Ergebnis ist häufig dasselbe: Das Pferd schwitzt still vor sich hin, das Fell klebt, und der Besitzer merkt es erst beim Abdecken. Oder umgekehrt: Die Decke ist zu dünn, der Rücken kalt, und das Tier verbrennt Energie, die es für Muskulatur und Immunsystem braucht. Beide Szenarien lassen sich vermeiden, wenn man einmal verstanden hat, wie man die Temperatur unter einer Pferdedecke zuverlässig misst und bewertet.
Warum eine Schätzung nicht ausreicht
Das Gefühl, kurz unter den Deckenrand zu greifen, täuscht regelmäßig. Die Hand misst die Lufttemperatur an einer kleinen Öffnung, nicht das tatsächliche Mikroklima, das sich über Stunden zwischen Decke und Fell aufgebaut hat. Außerdem ist die Körpertemperatur der eigenen Hand ein schlechter Referenzwert: Sie wärmt sich sofort an der Pferdewärme, was den Unterschied verschleiert.
Hinzu kommt, dass Pferde Wärme sehr unterschiedlich abgeben. Ein frisch eingestalltes Pferd nach einem Ausritt ist deutlich wärmer als ein Pferd, das seit sechs Stunden ruhig in der Box steht. Decke ist nicht gleich Decke, und Pferd ist nicht gleich Pferd. Deshalb braucht es Messung statt Schätzung.
Die richtige Messmethode: Infrarot oder Kontakt?
Grundsätzlich stehen zwei Methoden zur Verfügung: kontaktlose Infrarot-Thermometer und Kontakt-Thermometer mit Sonde. Beide haben klare Vor- und Nachteile.
Infrarot-Thermometer messen berührungslos. Man richtet das Gerät auf die Außenfläche der Decke oder schiebt es kurz unter den Rand, um auf das Fell zu zeigen. Das ist schnell und stressfrei für das Tier. Der Nachteil: Infrarot-Geräte messen Oberflächen. Eine reflektierende Deckenbeschichtung oder ein dichtes Fell kann das Ergebnis verfälschen. Wer die Außenseite der Decke misst, bekommt Außentemperatur plus Strahlungswärme, nicht das, was darunter herrscht.
Kontakt-Thermometer mit flexibler Sonde liefern genauere Werte, wenn man die Sonde flach zwischen Fell und Deckenmaterial legt. Die Messung dauert je nach Gerät 30 bis 90 Sekunden, gibt aber eine realistische Auskunft über das Mikroklima direkt am Körper. Für eine systematische Kontrolle über mehrere Deckentypen hinweg ist das die zuverlässigere Methode.
Wer verschiedene Methoden vergleichen oder die passende Ausstattung für diesen Zweck finden möchte, bekommt bei einem spezialisierten Pferdedecke Thermometer Ratgeber einen guten Überblick über geeignete Messgeräte und deren Handhabung.
Richtwerte: Was ist zu warm, was zu kalt?
Als Orientierung gilt: Die Temperatur direkt am Fell unter der Decke sollte zwischen 30 und 35 Grad Celsius liegen, wenn das Pferd in Ruhe steht. Werte über 36 Grad zeigen an, dass das Tier schwitzt oder zu warm eingedeckt ist. Unter 28 Grad deutet auf eine zu dünne Decke hin, besonders wenn die Stalltemperatur unter 5 Grad Celsius liegt.
| Temperatur unter der Decke | Bewertung |
|---|---|
| Unter 28 °C | Zu kalt, Decke zu dünn oder undicht |
| 28 bis 35 °C | Optimaler Bereich |
| Über 35 °C | Zu warm, Schweißgefahr |
Diese Werte gelten für gesunde adulte Pferde mit normaler Körperkondition. Alte Pferde, sehr schlanke Tiere oder Pferde nach einer Erkrankung brauchen häufig etwas mehr Wärme. Fohlen bis zum Alter von sechs Monaten haben eine andere Thermoregulation und sollten gesondert betrachtet werden.
Typische Fehler beim Eindecken
Der häufigste Fehler ist das sogenannte „Mitgefühl-Eindecken“: Es ist kalt draußen, also bekommt das Pferd die dickste Decke. Dabei wird vergessen, dass Pferde physiologisch für Temperaturen von minus 10 bis plus 25 Grad gut ausgestattet sind, sofern sie ein intaktes Winterfell haben und nicht geschoren sind.
Weitere verbreitete Fehler:
- Die Decke wird nicht regelmäßig kontrolliert, obwohl sich die Außentemperatur über den Tag um 10 bis 15 Grad verändern kann.
- Nasse Decken bleiben auf dem Pferd, weil das Pferd von außen trocken wirkt.
- Verschiedene Decken werden kombiniert, ohne deren Gesamtgramm-Füllung zu kennen.
- Das Pferd wurde kurz vor dem Eindecken bewegt und ist noch warm.
Gerade der letzte Punkt führt zu einem Messfehler, wenn man direkt nach dem Ausritt kontrolliert. Mindestens 30 Minuten Abkühlzeit sollten vergehen, bevor eine Messung repräsentativ ist.
Wann messen und wie oft?
Sinnvoll ist eine Kontrolle morgens nach der Nacht (also nach der längsten Liegezeit mit Decke) und am frühen Nachmittag, wenn die Außentemperaturen ihren Tageshöchstwert erreichen. Wer im Winter mit Temperaturschwankungen von mehr als 8 Grad zwischen Tag und Nacht rechnen muss, sollte die Decke aktiv anpassen oder ein System mit Wechseldecken nutzen.
Praktisch bewährt hat sich ein kurzes Protokoll: Datum, Außentemperatur, gemessene Unterdecken-Temperatur, Deckentyp. Drei bis vier Messungen in unterschiedlichen Wetterlagen reichen, um ein verlässliches Bild für das eigene Pferd und die eigene Deckenkombination zu bekommen. Danach kann man mit gutem Gewissen nach Außentemperatur eindecken, weil man die tatsächlichen Wärmecharakteristika seiner Decken kennt.
Fazit
Das Messen der Temperatur unter der Pferdedecke ist kein Aufwand, der Spezialwissen erfordert. Es braucht ein geeignetes Thermometer, die richtige Messstelle und das Wissen, was der gemessene Wert bedeutet. Wer einmal systematisch gemessen hat, trifft danach sicherere Entscheidungen: weniger Schwitzepisoden, weniger erkältungsbedingte Atemwegsinfekte im Winter, und ein Pferd, das sich in seiner Decke wirklich wohlfühlt. Das ist letztlich das, worum es geht.
