Shisha und Gesundheit: Was im Rauch wirklich steckt

Shisha und Gesundheit: Was im Rauch wirklich steckt

Die Wasserpfeife gilt in vielen Kreisen als harmlose Alternative zur Zigarette. Das gesellige Ritual, der aromatische Rauch, die vermeintliche Filterung durch das Wasser: All das nährt ein Bild der Ungefährlichkeit, das sich hartnäckig hält. Dabei zeigen Messungen der letzten Jahre, dass eine einzige Shisha-Sitzung den Körper mit einer Schadstoffmenge belasten kann, die einer ganzen Schachtel Zigaretten entspricht oder diese sogar übertrifft.

Was beim Shisha-Rauchen tatsächlich passiert

Tabak oder Kräutermischung werden bei der Wasserpfeife nicht direkt verbrannt, sondern durch glühende Kohle bei niedrigen Temperaturen erhitzt. Dieser Prozess erzeugt einen Rauch, der durch das Wasserbecken geleitet wird, bevor er eingeatmet wird. Das Wasser kühlt den Rauch und filtert einen kleinen Teil der wasserlöslichen Substanzen. Fettlösliche Schadstoffe wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe passieren das Wasser jedoch nahezu ungehindert.

Eine typische Sitzung dauert 45 bis 90 Minuten. In dieser Zeit zieht eine Person je nach Intensität zwischen 50 und 200 Einzelzüge. Das Gesamtvolumen eingeatmeten Rauchs liegt dabei zwischen 0,15 und 1 Liter pro Zug, was ein Vielfaches des üblichen Zigarettenzugs ausmacht. Unter dem Strich werden in einer Sitzung häufig 100 bis 200 Milliliter Rauch pro Kilogramm Körpergewicht eingeatmet.

Kohlenmonoxid: Der unterschätzte Faktor

Das größte akute Risiko beim Shisha-Konsum ist nicht Nikotin, sondern Kohlenmonoxid (CO). Die zur Erhitzung eingesetzte Holzkohle produziert erhebliche Mengen dieses geruchlosen Gases. Studien haben nach einer Stunde Shisha-Rauchen Blut-CO-Konzentrationen gemessen, die drei- bis fünfmal höher lagen als nach dem Rauchen einer einzelnen Zigarette. Werte von 20 bis 40 ppm in der ausgeatmeten Luft sind bei Shisha-Konsumenten keine Seltenheit, während Nichtraucher typischerweise unter 5 ppm liegen.

Kohlenmonoxid bindet an Hämoglobin und verdrängt Sauerstoff. Die Folgen reichen von Kopfschmerzen und Schwindel bis hin zu echten Vergiftungssymptomen, die in schlecht belüfteten Räumen auftreten können. Notaufnahmen in Deutschland berichten regelmäßig von CO-Vergiftungen nach Shisha-Abenden in Innenräumen.

Nikotin, Teer und weitere Inhaltsstoffe

Nikotin ist trotzdem präsent. Handelsüblicher Shisha-Tabak enthält je nach Marke zwischen 0,5 und 3,5 Prozent Nikotin. Pro Sitzung nimmt ein Nutzer schätzungsweise 1,7 bis 3 Milligramm Nikotin auf, vergleichbar mit zwei bis drei Zigaretten. Das klingt moderat, täuscht aber: Wer mehrmals wöchentlich zur Shisha greift, kumuliert eine Nikotinexposition, die zur Abhängigkeit führen kann.

Hinzu kommen Teerbestandteile, Formaldehyd, Benzol und flüchtige organische Verbindungen. Die Bundesinstitut für Risikobewertung stuft mehrere dieser Substanzen als krebserregend ein. Benzol etwa gilt ohne Schwellenwert als kanzerogen, das heißt, es gibt keine Menge, die als vollständig unbedenklich gilt.

Was „gelegentlich“ in Zahlen bedeutet

Der Begriff „gelegentlicher Konsum“ bleibt oft unscharf. Viele Nutzer verstehen darunter ein bis zwei Sitzungen pro Monat bei sozialen Anlässen. Die toxikologische Bewertung hängt aber stark von der Sitzungslänge, der verwendeten Kohle, der Wasserpfeifen-Konfiguration und dem Belüftungsgrad des Raums ab. Wer auf mehr Rauch mit der Shisha aus ist und dazu etwa mit Schnellzündkohle in einem kleinen Zimmer sitzt, erhöht die Schadstoffbelastung gegenüber einer gemäßigten Nutzung unter guten Bedingungen erheblich.

Eine Orientierung liefert folgende Übersicht typischer Belastungswerte einer durchschnittlichen Sitzung im Vergleich:

Substanz Shisha (1 Sitzung) Zigarette (1 Stück)
Kohlenmonoxid ca. 100 mg ca. 10 mg
Nikotin ca. 2 mg ca. 1 mg
Benzol ca. 150 µg ca. 60 µg
Formaldehyd ca. 40 µg ca. 20 µg

Die Werte sind Schätzungen auf Basis verfügbarer Labormessungen und variieren je nach Produkt und Nutzungsweise. Sie dienen der Einordnung, nicht als präzise Grenzwerte.

Kräuterdampfsteine und nikotinfreie Produkte

Viele Nutzer weichen auf nikotinfreie Kräutermischungen oder sogenannte Dampfsteine aus. Diese Produkte reduzieren tatsächlich die Nikotinbelastung auf nahezu null. Das Kohlenmonoxid-Problem bleibt jedoch bestehen, solange herkömmliche Kohle verwendet wird. Die Verbrennung der Kohle ist die Hauptquelle des CO, nicht der Tabak selbst.

Elektrische Heizsysteme, sogenannte Heat-not-Burn-Aufsätze für Shishas, können die CO-Belastung senken. Sie haben aber eigene Emissionsprofile, die bislang deutlich schlechter erforscht sind als die konventioneller Kohle. Wer glaubt, mit moderner Technik alle Risiken eliminiert zu haben, handelt auf Basis unvollständiger Datenlage.

Passivrauch und das soziale Umfeld

Shisha-Sitzungen finden selten allein statt. Die Personen im Umfeld, die nicht aktiv rauchen, sind ebenfalls betroffen. In einer Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums wurden in der Raumluft während einer Shisha-Sitzung Feinstaubkonzentrationen gemessen, die Werte von 300 bis über 600 µg/m³ erreichten. Der Richtwert der Weltgesundheitsorganisation für PM2,5 liegt bei 15 µg/m³ als Jahresmittelwert. Selbst eine kurze Exposition an einem Shisha-Abend entspricht damit einer erheblichen Belastung.

Kinder, Schwangere und Menschen mit Atemwegserkrankungen reagieren auf diese Feinstaubspitzen besonders sensibel. Die gesellschaftliche Toleranz gegenüber Shisha-Konsum in Innenräumen steht in deutlichem Widerspruch zur tatsächlichen Passivrauchbelastung.

Nüchterne Einschätzung statt Panik

Wer einmal im Quartal eine Shisha auf einer Terasse raucht, trägt ein statistisch geringes Risiko. Chronische Erkrankungen wie COPD oder Lungenkrebs entstehen durch wiederholte, langfristige Exposition, nicht durch seltene Einzelereignisse. Das bedeutet aber nicht, dass der Einzel-Konsum ohne jede Wirkung bleibt: Akute CO-Belastung, kurzzeitige Herzfrequenzerhöhung und Reizungen der Atemwege sind auch nach einer Sitzung messbar.

Wer die Risiken kennt, kann informiert entscheiden. Die häufig gehörte Aussage, Shisha sei „harmlos, weil man sie ja kaum nutzt“, stützt sich auf keine solide Evidenz, sondern auf ein Wunschdenken, das die tatsächlichen Inhaltsstoffe ausblendet. Für eine fundierte Einordnung lohnt sich ein Blick auf die Datengrundlage der Forschung, etwa über die Informationsangebote der Wikipedia-Übersicht zu Wasserpfeifen, die weiterführende Quellen bündelt.

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